Kupferhöfe des Stolberger Vichtbachtals

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Stolberg (Rhld.)
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Entlang der Talsohle des Vichtbachs, von der historischen Altstadt rund um die Stolberger Burg bis hin zum Ortsteil Mühle, sind heute noch diverse Kupferhöfe als Relikte der Stolberger Messingindustrie zu finden. Diese war über Jahrhunderte hinweg richtungsweisend für die Entwicklung des Standortes und prägt noch heute das Stadtbild sowie die lokale Identität der „Kupferstadt“ Stolberg (offizieller Beiname).

Die ersten Kupferhöfe entstanden im 16. Jahrhundert im Zuge des Bedeutungsgewinns der Messingherstellung (Schreiber und Schreiber 2012, S. 77). Messing, eine Legierung aus Kupfer (75 %) und Zink (25 %), wurde damals als eine Art von gefärbtem Kupfer angesehen und als gelbes Kupfer oder lediglich Kupfer bezeichnet. Daher stammen die Bezeichnungen „Kupfermeister“ für die Stolberger Messingproduzenten sowie die Bezeichnung „Kupferhof“ für ihre Betriebs- und Wohnanlagen. (Priesener 1997, S. 20; Museum Zinkhütter Hof 2012).

Neben den erhaltenen Kupferhöfen sind die lutherische Kirche Vogelsang und die reformierte Kirche Finkenberg sowie der Kupfermeister-Friedhof in der Stolberger Altstadt Zeugnis des Wirkens der Kupfermeister.

Die aufblühende Messingindustrie: politische und naturräumliche Standortvorteile
Die erste Dokumentation industrieller Tätigkeiten am Vichtbach entstand 1464 und belegt den Betrieb eines Eisenhammers, der mit der Wasserkraft des Baches angetrieben wurde (Schreiber und Schreiber 2012, S. 76). Zu dieser Zeit befanden sich in der Nachbarstadt Aachen bereits diverse Messingproduktionsstätten in Betrieb und Aachen beherrschte den Markt monopolartig. Durch sowohl gewerbliche und religiöse als auch naturräumliche Standortvorteile gewann jedoch der Standort am Vichtbach an Attraktivität und 1575 wurde der erste Kupferhof an der heutigen Burgstraße von Leonard Schleicher errichtet (Holtz 2018).

In der Stadt Aachen galten restriktive Zunftregularien, die beispielsweise vorschrieben, dass pro Kupferhof lediglich zwei Schmelzöfen betrieben werden durften. Auf Stolberger Gebiet hingegen gab es wegen bestehender Zunftfreiheit in dieser Hinsicht keine Beschränkung. Darüber hinaus litten protestantische Gewerbetreibende im überwiegend katholischen Aachen oftmals unter Repressalien (Schreiber und Schreiber 2012, S. 80f.). Im Stolberger Raum war man dahingehend toleranter. Bereits um 1600 löste der Standort an der Stolberger Altstadt den Standort Aachen als Zentrum der Messingproduktion ab (ebd.; Priesener 1997, S. 20).

Weitere wichtige, naturräumliche Standortvorteile waren der Vichtbach, mit dessen Wasserkraft Energie für die Mühlen und Hämmer erzeugt werden konnte sowie die Verfügbarkeit wichtiger Rohstoffe: die waldreiche Umgebung zur Herstellung von Holzkohle und das Vorkommen von Galmeilagerstätten (Holtz 2012; Museum Zinkhütter Hof 2012). Galmei, ein Sammelbegriff für nicht-sulfidische (schwefelfreie) Zinkerze, wurde anstelle von metallischem Zink als Zuschlagsstoff für die Herstellung von Messing verwendet (Museum Zinkhütter Hof 2012). Im Raum der heutigen Stadtteile Breinig, Mausbach und Gressenich konnte es wegen oberflächennaher Lagerung vergleichsweise leicht abgebaut werden (ebd.). Das Kupfer, das man neben dem Galmei zur Messingproduktion benötigte, wurde zumeist aus Skandinavien importiert. Obwohl man für die Herstellung von Messing einen Kupferanteil von 75 % verwendet, präferierte man die Standorte, an denen Galmei gefördert werden konnte. Grund dafür ist, dass der Zinkgehalt des Galmeis nur 25 – 30 % beträgt, man also die vierfache Menge an Galmei braucht um den Zinkgehalt von 25 % zu erreichen. An einem Beispiel ausgedrückt: Für die Herstellung von 100 kg Messing benötigt man 75 kg Kupfer und 100 kg Galmei (Priesener 1997, S. 20). Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich die Stolberger Messingindustrie zur „bedeutendste[n] der Welt“ (ebd.).

Die Weiterverarbeitung des Messings zu Draht oder anderen Gebrauchsgegenständen, wie Kesseln und Ähnlichem, wurde in Kupfermühlen, wie z.B. der Bocksmühle oder Buschmühle im Tal des Münsterbachs im Stadtteil Münsterbusch, durchgeführt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die Galmeilagerstätten jedoch nahezu erschöpft und neue Produktions- und Wirtschaftszweige mussten erschlossen werden.

Architektur als Spiegel der Geschichte
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die ersten Kupferhöfe vorwiegend als „geschlossene, wehrhafte und verteidigungsfähige Hofanlagen“ mit Innenhof und wohlbefestigtem Tor erbaut (Holtz 2018). Gründe für diese auf Verteidigung ausgerichtete Architektur waren die noch dünne Besiedlung der Umgebung und der Dreißigjährige Krieg. Die Anlagen, aus dem regionaltypischen Blaustein erbaut, stellten Wohn- und Betriebsgebäude zugleich dar. In der Größe und im Baustil blieben sie, trotz der massiven Bauweise, eher schlicht (ebd.). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Bauweise der Kupferhofanlagen. Die Gestaltung wurde offener, weitläufiger, prächtiger und es wurde ein Hauptgebäude mit großzügigem Wohntrakt angelegt, das eher einem Herrenhaus als den bisherigen Kupferhöfen entsprach. Teilweise verfügten diese Kupferhöfe auch über eine ausladende, barocke Gartenanlage. Gründe für diese enorme Veränderung des Baustils waren zum einen die stabilere politische Lage nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, zum anderen ein Wandel im Lebensstil der wohlhabenden Kupfermeister (ebd.).

Liste der noch erhaltenen Kupferhöfe
Kupferhof Weide
Kupferhof Unterster Hof
Kupferhof Stöck
Kupferhof Roderburgmühle
Kupferhof Rosental
Kupferhof Grünenthal
Kupferhof Steinfeld
Kupferhof Sonnental
Kupferhof Enkerei
Kupferhof am „Alten Markt“ (früher: Kupferhof Rose)
Kupferhof Adler Apotheke (Kupfermeister-Herrenhaus von 1575)
Kupferhof Schart

(Katrin Prost, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2018)

Internet
Museum Zinkhütter Hof: Lexikon (aufgerufen am 13.04.2018)
www.stolberg-abc: Kupferhof Schart (aufgerufen 13.04.2018)

Literatur

Priesner, Claus (1997)
Bayerisches Messing. Franz Matthias Ellmayrs "Mößing-Werkh AO 1780“. Stuttgart.
Schreiber, Helmut (2012)
Werden und Wachsen, Handel und Wandel in Stolbergs Mitte. Teil 1: Die Burg und die Altstadt am Fuße des Burgfelsens. (Beiträge zur Stolberger Geschichte Bd. 29.) Stolberg (Rhld.).

Kupferhöfe des Stolberger Vichtbachtals

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rathausstraße
Ort
52222 Stolberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Koordinate WGS84
50° 46′ 24,5″ N, 6° 13′ 37,51″ O / 50.77347°, 6.22709°
Koordinate UTM
32U 304495.15 5628300.81
Koordinate Gauss/Krüger
2516062.5 5626470.96

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„Kupferhöfe des Stolberger Vichtbachtals”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276731 (Abgerufen: 27. Mai 2018)
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