Haus Annaberg in Friesdorf

Schloss Annaberg, heute Studentenwohnheim und Tagungsstätte

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die Hauptpforte des Schlosses Annaberg

    Die Hauptpforte des Schlosses Annaberg

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  • Aufnahme von der Rückseite des Schlosses Annaberg.

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  • Blick auf die vordere Seite des Schlosses Annaberg von der Annaberger Straße aus

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  • Die linke Hälfte der Vorderseite von Schloss Annaberg, vom angrenzenden Garten aus fotografiert

    Die linke Hälfte der Vorderseite von Schloss Annaberg, vom angrenzenden Garten aus fotografiert

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  • Die rechte Hälfte der Vorderseite von Schloss Annaberg, vom Garten aus gesehen

    Die rechte Hälfte der Vorderseite von Schloss Annaberg, vom Garten aus gesehen

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Das Haus Annaberg, oder auch Schloss Annaberg, ist eine ehemalige Fabrikantenvilla am Rande des Kottenforstes im Bonner Ortsteil Friesdorf. Das ursprüngliche Gebäude wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt, vermutlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts, auf dem Gelände eines ehemaligen Tagebaubetriebes errichtet und erfuhr seitdem mehrfach wechselnde Besitz- und Nutzungsverhältnisse. Kurz vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert baute der damalige Besitzer, ein durch die Zuckerproduktion vermögend gewordener Kölner Industrieller, das ursprüngliche Herrenhaus des angrenzenden Gutes Annaberg zu einer repräsentativen Familienresidenz aus. Heute wird das nach dem Krieg reparierte Gebäude als Studentenwohnheim und Tagungsstätte genutzt.

Das Haus Annaberg im 19. Jahrhundert
Im frühen 19. Jahrhundert wurde auf dem Annaberg (damals noch Pützberg genannt) neben Braunkohle vor allem auch Alaunton abgebaut. Alaun war ein gefragter Rohstoff in verschiedenen Wirtschaftszweigen, wie etwa der Ledergerbung, der Papierherstellung oder auch der Medizin. Der gewonnene Ton wurde hingegen beispielsweise für das Brennen von Zuckerhutformen verwendet.
Auf dem Pützberg war seit 1808/9 das „Friesdorfer Braunkohlen-, Alaunerz- und Vitriolerz-Bergwerk“ unter der Leitung von Theodor Quinck & Co. tätig. Die Gruben wechselten in den folgenden Jahrzehnten mehrfach den Besitzer, ehe die Tätigkeiten aufgrund sinkender Erträge schließlich im Jahr 1845 aufgegeben und an anderer Stelle fortgeführt wurden.
Die brachliegenden Flächen wurden vom Bruder des letzten Alaunhüttenbetreibers aufgeforstet: „Als das früher hier, auf dem Pützberge betriebene Alaunwerk, wie wir schon wissen, nach der Schweinheimer Höhe und in die Benden verlegt worden war, und zumal nach dem Verkaufe des Werks, schuf Franz Moll das damals sehr wüst und öde daliegende alte Grubenterrain mit unsäglicher Mühe zu Zwecken der Landwirtschaft und Obstbaumzucht um und ließ die dazu dienlichen Gebäude herstellen.“
Es ist möglich, dass das Haus Annaberg in seiner ursprünglichen Form in diesem Zeitraum gebaut wurde. Diese Vermutung konnte bisher jedoch nicht abschließend belegt werden.

Die Bewirtschaftung durch die Poppelsdorfer Akademie
1860 wurde das Gelände des Gutes Annaberg von der preußischen Regierung erworben und der landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf als Versuchsgut und Lehranstalt überlassen. 1874 heißt es hierzu: „… kaufte dann die preußische Regierung das schon aufgeblühte und ergiebige ansehnliche Gut und überwies es der in Poppelsdorf errichteten landwirtschaftlichen Akademie. So ist es nun eine wichtige und schöne Filiale der letztern, umfasst eine Ackerbauschule, eine Central-Baumschule etc., unter einem königlichen Inspector.“
Trotz der (bereits im Vorfeld durchaus bekannten) vorherrschenden schwierigen Bodenbedingungen begann die Akademie die Bewirtschaftung und rodete größere zusätzliche Waldflächen, um mehr Ackerbau zu ermöglichen. Die Chronik der Akademie weist darauf hin, dass gerade die ungünstigen Voraussetzungen gut dazu geeignet seien, den Schülern der Akademie eine ertragreiche Bewirtschaftung unter schwierigen Bedingungen beizubringen. Die Pläne erwiesen sich jedoch bald als nicht umsetzbar und die Poppelsdorfer Akademie gab ihre Arbeit auf dem Annaberg wegen des unverhältnismäßig hohen Arbeitsaufwandes 1875 nach nur 15 Jahren wieder auf.

Die Familie Pfeifer und der Umbau zum „Schloss Annaberg“
Zunächst an einen neuen Eigentümer namens Hamacher verkauft, gelangte das Gut Annaberg mit seinem Herrenhaus anschließend in den Besitz des Kölner Zuckerfabrikanten Eugen Pfeifer, seit 1874 Gesellschafter der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen. Dieser beantragte im März 1897 den Ausbau des Herrenhauses, da es als Sommerresidenz durch seine günstige Lage am Rande des Kottenforstes mit Blick auf Friesdorf, Godesberg und den nahen Rhein dafür sehr gut geeignet erschien. 1897/98 wurde das Haus Annaberg ausgebaut und erhielt seine äußere Gestalt, der es auch den Namen „Schloss Annaberg“, gelegentlich auch „Tusculum“ genannt, zu verdanken hat. Die Familie nutzte das Schloss bis zum Tod Eugen Pfeifers im August 1915 als Hauptwohnsitz und feierte hier regelmäßig Feste, zu denen sich auch bedeutende adelige Persönlichkeiten wie der kaiserliche Kronprinz die Ehre gaben.
Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes verkaufte die Witwe Pfeifer das Schloss 1917 an den Grafen Westerholt, der das Gut Annaberg verpachtete und das Schloss selbst mit seiner Familie bewohnte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss durch Bombenangriffe stark beschädigt und zunächst notdürftig wieder in Stand gesetzt. Der damalige Eigentümer entschloss sich 1952 dazu, Schloss Annaberg erneut zu verkaufen.

Die heutige Situation des Schlosses
Das Schloss mit seiner Parkanlage befindet sich heute im Besitz des Baltischen Christlichen Studentenbundes und wird als Studentenwohnheim und Tagungsstätte genutzt. In ersten Jahren nach der Übernahme durch den Verein wurde der Anbau auf der Seite der Zufahrt zur Annaberger Straße im Südosten saniert. Aus der Nachkriegszeit stammt das frei stehende Gebäude auf der nordwestlichen Seite des Grundstücks, das alten Bildern nach zu urteilen, in anderer Form bereits an gleicher Stelle existiert haben müsste und als Verwaltungs- sowie Wohngebäude genutzt wird. Beide Gebäude unterscheiden sich stilistisch vom mittleren Gebäudeteil des Schlosses, das ebenfalls aufgrund von Kriegsschäden instand gesetzt werden musste. Der Vergleich mit Fotos, die um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) aufgenommen wurden, zeigt reparaturbedingte Unterschiede etwa in der Gestaltung des Daches. Aus dem 19. Jahrhundert stammen die hohen exotischen Bäume im Park des Schlosses, die wohl während der Nutzungszeit durch die Landesbaumschule zwischen 1860 und 1875 gepflanzt wurden und sich heute von der umliegenden Vegetation im Kottenforst abheben.

(Dennis Beutelt, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013)

Literatur

Langewiesche, Wilhelm (1874)
Godesberg und seine Umgebungen für Besuchende und Einheimische. Godesberg.
Pfarrgemeinde St. Servatius, Bad Godesberg-Friesdorf (Hrsg.) (1991)
Friesdorf und seine Kirchen. Die Ortsgeschichte von der Römerzeit bis zur Gegenwart. Bonn.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2012)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.01.2012). Bonn.
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V. (Hrsg.) (o.J.)
Godesberger Heimatblätter. Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg. Bad Godesberg.
Wiedemann, Alfred (1930)
Geschichte Godesbergs und seiner Umgebung (2. Aufl.). Bad Godesberg.

Haus Annaberg in Friesdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Annaberger Straße
Ort
53175 Bonn - Friesdorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1800 bis 1897
Koordinate WGS84
50° 41′ 27,42″ N, 7° 06′ 48,47″ O / 50.69095°, 7.11346°
Koordinate UTM
32U 366749.76 5617155.98
Koordinate Gauss/Krüger
2578723.32 5617858.34

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„Haus Annaberg in Friesdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57875-20121203-2 (Abgerufen: 12. Dezember 2018)
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